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Einrichtung einer mobilen Station zur Immobilisation von Rothirschen und Erprobung unterschiedlicher Fangvarianten unter Berücksichtigung des Wanderverhaltens des Rotwildes nach Öffnung des Solling-Umfanggatters (SUG)

Ursprünglich erfolgte der Rotwildfang mit Netzen. Dabei wurden erhebliche innere Verletzungen bei den gefangenen Tieren bemerkt, die zu teilweise beträchtlichen Verlusten führten (PESCHKE, 1906). Diese Methode wird heut nicht mehr praktiziert. In gebirgigen unzugänglichen Gebieten (z.B. Neuseeland) wird ein in Kanada entwickeltes Netzfangverfahren angewendet. Das Fangnetz wird vom Hubschrauber aus mit einem sogenannten Netgun über die flüchtenden Tiere geschossen. Das Wild kommt zu Fall, der Hubschrauber landet, und die Fänger immobilisiern das Wild (STUBBE et al. 1995).

In zugänglichen Gebieten werden heute bevorzugt stationäre Fänge eingesetzt. Man unterscheidet dabei Klein-, Mittel- und Großfänge. Die Wahl des Fangtyps ist insbesondere abhängig von der Aufgabenstellung bzw. dem Ziel des Fanges und den personellen Möglichkeiten.


Eingesetzte Fänge

1. Fangkral


Zielführend bei der Auswahl der Fänge war ein minimaler Personal- und Materialaufwand. D.h. es kamen grundsätzlich nur Klein- und/oder Mittelfänge in Frage. Insgesamt wurden zwei Mittelfänge und ein Kleinfang eingesetzt. Die Form der Mittelfänge war rund bis oval, hatte einen Durchmesser von 10 Metern und eine Höhe von 3 Metern. Der Fangkral bestand aus Hordengattern, die durch zusätzlich angeschraubte Dachlatten (4 X 6 cm) die entsprechende Höhe erlangten, und durch seitliche Außenverstrebungen stabilisiert wurden. Eingegrabene Fichtenstangen rechts und links im Eingangsbereich stabilisierten die gesamte Anlage zusätzlich und hielten das aus Maschendraht bestehende Schwingtor. Über einen Seilzug (Handauslösung) wurde das Tor von einem Beobachtungspunkt in ca. 50 Meter Entfernung ausgelöst. Fichtenzweige und/oder Tarnnetze dienten zum leichten Verblenden der Fanganlagen. Das Rotwild sollte weder das Gefühl haben durch einen Sprung in das Gatter (Richtung Helligkeit) entkommen zukönnen, noch sollte der Eindruck erweckt werden vor einer dunklen Wand zu stehen, wodurch Panik entstehen kann. In beiden Fängen erfolgte die Installation von zwei Futtertrögen und einer Salzlecke. Die Tröge waren 100 cm lang, 22 cm breit und 18 cm tief. Zwei Flacheisen dienten zur Fixierung eines 80 cm langen Stahlrohres auf der Unterseite der Futtertröge. Ein weiteres Stahlrohr, mit einem geringeren Durchmesser, wurde in einen 75 cm hohen Betonsockel eingearbeitet und im Innenraum der Fanganlagen in den Erdboden eingegraben. Die Stahlrohre konnten ineinander gesteckt werden, wodurch der Futtertrog drehbar war. Der Unterboden der Tröge wurde zum Schutz vor Schwarzwild mit je zwei Reihen Stacheldraht ausgestattet. Diese Maßnahmen sollten dem Schwarzwild den Zugang zum Lockfutter verwehren.

Jagdeinrichtungsbüro, Fangkral für Rotwild
Fangkral mit Schwingtor und zwei Futtertrögen (Februar 2005)



2. Fangcontainer

Ein umgebauter Altpapiercontainer diente als Einzelfang. Ausgestattet mit einem Eingang, drei kleinen Fenstern, zwei waren durch die Altpapiereinwurflucken vorgegeben, und drei Führungsbohrungen für ein Narkosegewehr bzw. -blasrohr, konnte der Container zur Wildbeobachtung und zur Rotwildimmobilisation genutzt werden. Im Inneren des Fangcontainers befand sich ein drehbarer Hocker, der ein lautloses Ausrichten auf die Sichtfenster durch den Beobachter ermöglichte. Der Eingangsbereich ließ sich luftdicht verschließen. Der Container befand sich ebenerdig auf dem Waldboden. Ein daumendicker Lüftungsschlitz am Erboden und ein handelsübliches Rohr einer Dunstabzugshaube auf der Kuppel des Containers sorgten für einen leichten, aufsteigenden Luftzug. In einer Entfernung von 13 Metern befand sich ein Futtertrog, der oben beschriebenen Bauart.


Jagdeinrichtungsbüro, Fangcontainer für Rotwild
Fangcontainer mit Futtertrog. Die Distanz zwischen Container und Futtertrog betrug 13 Meter.


Schlussfolgerungen

Aufbau und Handhabung der Fanganlagen



Unter der Vorgabe den personellen und finanziellen Aufwand zu minimieren, muss dem als Fanganlage umfunktionierten Altpapiercontainer eindeutig der Vorzug gegenüber dem Fangkral eingeräumt werden. Alle Arbeiten, die im Zusammenhang mit der Vorbereitung und der Installation einer Fanganlage dieser Bauart stehen, können von einer Person durchgeführt werden. Die finanziellen Aufwendungen für Material und Personal konnten im Vergleich zum Kral deutlich gesenkt werden. Die Fanganlage kann bei Bedarf ohne großen Aufwand an einen anderen Ort transportiert. D.h. die Flexibilität dieser Anlage ist hoch bei einem gleichzeitigen geringem bis niedrigem materiellen und personellen Aufwand. Bei der Handhabung des Fangcontainers kann vollständig auf den Einsatz mechanischer Bauteile (Schlösser, Umlenkrollen, Seile etc.) verzichtet werden, deren Einsatz bei einem Wechsel von Frost, Schnee und Tauwetter immer wieder Probleme aufwirft.

Die Nachteile einer Fanganlage diese Bautyps liegen in der Fangausbeute, da in der Regel nur ein Stück Rotwild je Ansitz gefangen werden kann, sowie in der zur Immobilisation notwendigen geringen Distanz zwischen Fangcontainer und Lockfutter. Unter Verwendung eines Narkosegewehrs könnte die Entfernung zum Wild um ca. 10-15 Meter erhöht werden. Das Verschießen eines Narkosepfeils lässt sich nicht geräuschlos durchführen. Dieser Sachverhalt könnte dazu führen, dass das Rotwild den Fütterungsbereich für mehrere Tage meidet. Der Fangcontainer stellt nach der Definition von STUBBE et al. (1995) einen Kleinfang dar. Im Unterschied zu den von SCHLOETH (1961) und BLANKENHORN et al. (1978) beschriebenen Bauweisen von Kleinfängen, befindet sich nicht das Rotwild sondern der Rotwildfänger in der Fanganlage. Die aus dieser Tatsache resultierende freie Wahl des Fluchtweges durch das "beschossene" Wild muss als positiver Aspekt hervorgehoben werden. Verletzungen oder Verluste der zu immobilisierenden Schalenwildart durch die Fanganlage können ausgeschlossen werden.

Der Aufbau des Fangkrals erfordert den Einsatz von zwei Personen. Für die Anlieferung der Horden wird ein Traktor und ein Anhänger benötigt. Die eigentliche Installation der Fanganlage inklusive Schwingtor, Futtereinrichtungen (Trog, Salzlecke) und Verblendung kann von zwei Personen an einem Arbeitstag durchgeführt werden. Die Notwendigkeit einer zweiten Arbeitskraft führt zu einem erhöhten finanziellen Aufwand im Vergleich zur Installation des Fangcontainers. Während der Container als Kleinfang bezeichnet werden sollte, handelt es sich bei dem Kral um einen Mittelfang, wodurch die Effektivität theoretisch deutlich gesteigert wird. Das Schwingtor wird mittels Seilzug über eine Distanz von ca. 50 Metern ausgelöst. Die beiden Fichtenstangen, rechts und links des Tores, dienen als Anschlag und sind jeweils mit einem Fangschloss versehen. Die mechanischen Bauteile unterliegen stark den Witterungseinflüssen und stellen dadurch Schwachpunkte der Fanganlage dar. Das Schwingtor wurde einem Falltor vorgezogen, um mögliche Verletzungen oder Verluste durch das Tor zu vermeiden. Für das Rotwild kann durch die Verwendung eines Schwingtores im Eingangsbereich der Anlage der Eindruck eines Tunnels entstehen. Die Hemmschwelle das Lockfutter im Kral anzunehmen, wird durch diesen Sachverhalt vermutlich erhöht. Das Maschendrahtschwingtor bittet gegenüber anderen Materialien den Vorteil, dass es lichtdurchlässig ist . Der Tunnelcharakter des Eingangsbereiches wird durch das verwendete Tor abgeschwächt. Mittelfänge können auch mit zwei Toren versehen sein. Der Vorteil besteht darin, dass das sehr vorsichtige Rotwild durch den Fang äugen und ihn von zwei Seiten betreten kann. Diese Fänge werden vom Rotwild ehr angenommen als eintorige Anlagen (STUBBE et al. 1995). Der Nachteil besteht darin, dass beim notwendigen gleichzeitigen Zufallen Pannen auftreten können. Alle Probleme und Kosten bei den Toren verdoppeln sich.

Die Nachteile dieses Fangtyps liegen in dem erhöhten personellen und materiellen Aufwand gegenüber dem Fangcontainer. Weiterhin ist anzumerken, dass sämtliche mechanisch arbeitenden Bauteile den Witterungseinflüssen ausgesetzt sind. Das Fehlerquellenpotential für einen möglicherweise negativ verlaufenden Fangversuch muss als erhöht betrachtet werden. Eine regelmäßige Kontrolle und Wartung der mechanischen Bauteile ist erforderlich und beinhaltet einen zusätzlichen Zeitaufwand. Der Vorteil des Fangkrals liegt in der Möglichkeit mehrere Tiere gleichzeitig zu fangen. Der Fangkral kann bei gutem Rotwildvorkommen mit Erfolg eingesetzt werden, wenn die Bodenäsung fehlt und im direkten Umfeld der Fangeinrichtung eine seit mehreren Jahren beschickte Winterfütterung zu finden ist. Die Winterfütterungen im Solling wurden, mit Ausnahme der Notzeitverordnung (§ 32 NJagdG), 1997 eingestellt.

Der Container bietet gegenüber dem Kral einige Vorteile, die den Verhaltensweisen des Rotwildes entgegenkommen. Eine Annäherung an das Lockfutter ist aus allen Himmelsrichtungen möglich. Selbiges gilt für die Fluchtwege. Ein "Tunnel", wie im Eingangsbereich des Krals, der einem Zwangspass gleicht, muss nicht begangen werden. Der Kral vermittelt dem Rotwild nur ein eingeschränktes Sehfeld, wodurch der Sicherheitsaspekt dieser Wildart beeinträchtigt wird.